Kann partizipative Kulturarbeit die sozial-ökologische Transformation voranbringen?

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Musiker spielen auf einem Markt.
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Musiker spielen auf einem Markt in Loos-en-Gohelle. | Foto: Loos-en-Gohelle (CC BY-SA 2.0 Deed)
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Das Deutsch-Französisches Zukunftswerk und das Forschungsinstitut für Nachhaltigkeit (RIFS) untersuchen in einer Studie das Potenzial kultureller Teilhabe in Regionen des Wandels am Beispiel Loos-en-Gohelle.
Date de publication / Veröffentlichungsdatum
08.02.2024
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Als Loos-en-Gohelle seine Kohlebergwerke in den 1980er-Jahren schloss, rutschte die französische Kleinstadt in eine strukturelle Krise. Heute steht die Gemeinde wirtschaftlich besser da als ihre Nachbarorte: weniger Arbeitslose, weniger Wohnungsleerstand. Gleichzeitig ist die Stadt zur Pilotstadt der nachhaltigen Entwicklung geworden, mit Photovoltaikanlagen auf Dächern, ökologischem Bauen und nachhaltigen Mobilitätangeboten. Das Deutsch-Französische Zukunftswerk und das Forschungsinstitut für Nachhaltigkeit (RIFS) untersuchten in einer Studie, wie Loos-en-Gohelle sich von einer schwarzen (Kohle) zur grünen (nachhaltigen) Stadt entwickeln konnte und nimmt dabei einen entscheidenden Faktor in den Fokus: die partizipative Kulturarbeit.

Partizipative Kulturarbeit als Hebel der Regionalentwicklung

Beim sozial-ökologischen Umbau unserer Städte und Gemeinden können politische Entscheidungen, die ohne Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger getroffen werden, Transformationskonflikte hervorrufen. Die Beteiligung der Menschen vor Ort ist daher entscheidend für die lokale Stadtentwicklung. Partizipative Kulturarbeit dient dabei als langfristiges Projekt, um gemeinsam mit den Bewohnerinnen und Bewohnern eine Zukunftsvision zu gestalten und die aktuelle Situation sowie Geschichte des Ortes kollektiv zu reflektieren. Dies fördert den Austausch und eröffnet Raum für Debatten über die entscheidenden Ressourcen und die gemeinsame Gestaltung der Zukunft.

Emanzipation, Empowerment und Identifikation: positive Effekte der Teilhabe

Im französischen Loos-en-Gohelle hatte beispielsweise das „Erzählen von Geschichten“ und die kulturelle Aufarbeitung  der Bergbauvergangenheit beim jährlich stattfindenden Kulturfestival Les Gohelliades oder die gemeinsamen Initiativen zur Sicherung der Abraumhalden als UNESCO Weltkulturerbe  viele positive Auswirkungen. Die Initiativen:

  • erlaubten den Menschen um die verlorene Bergbauvergangenheit zu trauern.
  • stärkten das Engagement der Menschen für ihr räumliches Umfeld und förderten somit die Bindung der lokalen Bevölkerung an ihren Wohnort.
  • bauten Vertrauen zwischen Bürgerinnen, Bürgern und Kommunalverwaltung auf.
  • förderten Emanzipation und Empowerment der Menschen vor Ort.
  • werteten die Region auf und belebten das kulturelle Erbe.
  • ermöglichte den Menschen, eine gemeinsame Vision für die Zukunft zu entwickeln.

Das Zukunftswerks fordert in seinen politischen Handlungsempfehlungen aus 2022 sogar, dass der Dreiklang der förderlichen Faktoren für gelungene Transformationsprozesse, „Soziales, Ökologie und Ökonomie“, um „Kultur“ als vierte, gleichwertige Säule ergänzt werden sollte.

Erfahrungsaustausch am 15. Februar

Mit der neuen Veranstaltungsreihe EN DÉBAT stellt das Deutsch-Französische Zukunftswerk ausgewählte Forschungs- und Arbeitsergebnisse vor und beleuchtet im Rahmen eines gemeinsamen Erfahrungsaustauschs Perspektiven zu Transformationsansätzen in Deutschland und Frankreich. Zum Auftakt der Reihe begrüßt das Zukunftswerk Grit Michelmann vom Förderprogramm Aller.Land in seinen Räumlichkeiten nahe dem Berliner Kurfürstendamm. Das Programm will beteiligungsorientierte Kulturvorhaben vor allem in ländlichen und strukturschwachen Regionen unterstützen. Im Mittelpunkt des Austauschs stehen die Fragen: Wie kann partizipative Kulturarbeit die sozial-ökologische Transformation unserer Kommunen voranbringen? Warum sind gerade kreative und künstlerische Ansätze für die Beteiligung so wichtig? Welchen Herausforderungen begegnen beteiligungsorientierte Kulturvorhaben in der Praxis?

Publikation:

Florentin, D., Veys, M., Robic, N., Faltermeier, K. (2023): Loos-en-Gohelle und sein kulturelles Ökosystem: Partizipative Kulturarbeit als Grundlage für raum-bezogene Identifikation und gesellschaftlichen Zusammenhalt. - RIFS Study, November 2023. https://doi.org/10.48481/rifs.2023.029

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Stephanie Hesse

Foto: Sina Villinger

Stephanie Hesse ist seit 2023 Referentin für Pressearbeit beim Deutsch-Französischen Zukunftswerk. Sie studierte Medienwissenschaft an der Friedrich-Schiller-Universität Jena und der Université Paris 1 – Panthéon Sorbonne, bevor sie als Journalistin und Redakteurin für verschiedene deutsch-französische Medien tätig war. Von 2010 bis 2021 koordinierte sie die Webprojekte der Goethe-Institute Frankreich
und beriet als selbständige Contentstrategin gemeinnützige Organisationen mit Themenschwerpunkt Nachhaltigkeit.

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